Wellness versus Tierschutz

Ist der Einsatz von sogenannten Kangalfischen zu Wellness- und kosmetischen Zwecken (Fisch-Spa) mit dem geltenden Tierschutz ver­einbar?

Mit dieser Frage mussten sich in der Vergangenheit verschiedene Verwaltungsgerichte beschäfti­gen. Betreiber von Kosmetik- und Fingernagelstudios wollten diese ,,Fischbehandlung“ ihren Kunden anbieten und stellten den Antrag auf eine behördliche Erlaubnis zur gewerbsmäßigen Nutzung von Kangalfischen, die ihnen mit Hin­weis auf einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz versagt wurde. ,,Es sind keine vernünftigen Gründe festzustellen, die das bei der Ichthyotherapie (griech. Ichthys=Fisch) unvermeidbare Leiden der Fische rechtfertigen könnten“, so beispielsweise das Landratsamt Wartburgkreis mit Bescheid vom 08.01.2014, die ei­nem Anbieter von Fischbehand­lungen diese Behandlung unter­sagt hatte. Hierbei berief man sich auf eine Stellungnahme des Nie­dersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebens­mittelsicherheit vom 23.10.2010 zum Tierschutz bei Fischen.

Die mit der Thematik beschäftig­ten Gerichte hatten dabei nicht da­rüber zu entscheiden, ob die beab­sichtigte Behandlung, bei der die Fische bei Menschen abgestorbene Hautschuppen von den Füßen ab­knappern, wirksam der Fußpflege oder Fußbehandlung dient. Vielmehr ging es darum, ob der Einsatz der Fische aus rein kosme­tischen Gründen bzw. Wellness­zwecken gegen das Tierschutzge­setz verstößt.

Mehrere mit diesem Thema be­schäftigte Verwaltungsgerichte verneinten einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, soweit die gesetzlichen Voraussetzungen wie fachliche Kenntnis und Fähigkeit des Betreibers und deren Zuverläs­sigkeit sowie eine artgerechte Un­terbringung und Ernährung der Tiere erfüllt seien. Wenn diese Voraussetzungen vor­liegen, habe die genehmigungs­pflichtige Behörde auch kein Ermessen, sondern muss die Ge­nehmigung erteilen. Die Fälle zeigen, wie durch die formale Zuständigkeit von Ge­richten denkwürdige Urteile zu­stande kommen. Wellness und Tierschutz sollten nicht im Wider­spruch zueinander stehen.

Autor: Günther Fesselmann, Jurist des Deutschen Wellness Verbands e.V.