Nicht der letzte Aufguss

Immer wieder hört oder liest man, dass Gäste einer Sauna durch einen unsachgemäßen Aufguss zu Schaden gekommen sind. Erst kürzlich erlitten zwei Saunabesucher in einem Delmenhorster Fitnesscenter schwere Verbrennungen, nachdem ein anderer Gast eine selbst gemixte Aufgussflüssigkeit auf den heißen Saunaofen gegossen hatte. (NRZ, Ausgabe vom 17.01. 2019).

Die Liste der Schadenfälle in diesem Bereich ist lang. Wer trägt die Schuld?

Kommt es zu einem Körper- oder Gesundheitsschaden eines Saunabesuchers durch unsachgemäße Aufgüsse, wirft dies die Frage der Verantwortung auf. Hat der Sauna- oder Hotelbetreiber neben einer Verletzung des Nutzungs- oder Beherbergungsvertrages etwa auch seine Verkehrssicherungspflicht verletzt? Die Verletzung der Verkehrssicherungspflicht führt zu einer deliktischen Haftung.

Derjenige, der eine Gefahrenlage für Dritte schafft, beispielsweise durch die Eröffnung eines Verkehrs oder die Errichtung einer (Sauna-)Anlage, hat die allgemeine Rechtspflicht, diejenigen Vorkehrungen zu treffen, die erforderlich und ihm zumutbar sind, um eine Schädigung Dritter möglichst zu vermeiden. Nach diesen höchstrichterlichen Grundsätzen wird die Verkehrssicherungspflicht beurteilt. (BGH NJW 07, 762 und 1684).Eine Verkehrssicherungspflicht, die jede Schädigung ausschließt, ist indes nicht erreichbar.

Aber wie sieht es aus, wenn ein Saunagast eine selbst gemixte Aufgussflüssigkeit verwendet – wie im eingangs geschilderten Fall – oder der Gast ein Aufgusskonzentrat auf den heißen Ofen gießt, das er zuvor aus einem offenen Regal im Saunavorraum entnommen und die Warnhinweise auf der Flasche nicht gelesen hat?

Diesen Sachverhalt hatte 2007 das Oberlandesgericht Naumburg (6 U 191/06) einer rechtlichen Würdigung zu unterziehen. Während das Landgericht Magdeburg als Vorinstanz keine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht des Betreibers angenommen hatte, weil das Mitverschulden des Saunagastes derart überwiege, dass eine Haftung des Saunabetreibers ausscheide, sprach das OLG Naumburg dem Betreiber eine 50%-ige Mitschuld zu.

Der Betreiber einer Sauna sei verpflichtet, den Saunabetrieb so zu organisieren, dass Saunaaufgüsse nur von eingewiesenen Mitarbeitern hergestellt und entsprechende Konzentrate für Besucher der Sauna unerreichbar aufbewahrt werden. Ein Verstoß hiergegen führt zur Verletzung der Verkehrssicherungspflicht.

Nun hängt das Maß der Verkehrssicherungspflicht von den möglichen Gefahren ab, die beispielsweise von dem Betrieb einer Anlage ausgehen können. Die Gefahren, die von einer falschen Anwendung eines Aufgusskonzentrats ausgehen können, sind  erheblich. Die Aufgussflüssigkeit birgt in Verbindung mit einem aufgeheizten Saunaofen die Gefahr einer Verpuffung. In der Folge kann es zu Bränden und schweren Körper- und Gesundheitsschäden der Gäste kommen. Diese erheblichen Folgen rechtfertigen es, das Aufgusskonzentrat unter sicherem Verschluss aufzubewahren und nur von geschulten und eingewiesenen Personal herstellen und anwenden zu lassen.

Diese Präventionsmaßnahmen sollte jeder Betreiber einer Saunaanlage beherzigen.

Geschulte Mitarbeiter können beispielsweise Saunameister sein. Aber gerade der Einsatz von geschultem Personal scheint nicht selbstverständlich zu sein. Zwar handelt es sich bei einem sog. Saunameister um keinen  staatlich anerkannten Lehrberuf. Einheitliche Ausbildungsstandards gibt es nicht. Eine entsprechende Ausbildung wird aber von verschiedenen Einrichtungen und Akademien angeboten.

Aufgrund der schwerwiegenden Folgen, die durch eine unsachgemäße Durchführung von Saunaaufgüssen verursacht werden können, empfiehlt es sich,  nur eingewiesene und fachkundige Mitarbeiter damit zu betrauen. Dadurch verliert die Verkehrssicherungspflicht einen Großteil ihres Schreckens.

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