Verschärfung der steuerlichen Aufzeichnungspflichten

Bareinnahmen von Gewerbetreibenden standen schon immer im Fokus der Finanzverwaltung. Diesen Geschäften haftete der Makel der Unvollständigkeit und der Vereinnahmung von Schwarzgeld an. Aus diesem Grunde werden an eine ordnungsgemäße Kassenführung hohe formelle und inhaltliche Anforderungen gestellt.

Bei Betriebsprüfungen werden gerade hier oftmals Beanstandungen festgestellt, die u.a. zu Hinzuschätzungen führen können. Denn das Finanzamt kann gem. § 162 Abs. 2 Satz 2 Alt. 2 AO (Abgabenordnung) die Umsätze schätzen, wenn die Buchführung oder die Aufzeichnungen der Besteuerung nicht nach § 158 AO zugrunde gelegt werden können.

Buchführung und Aufzeichnungen eines Steuerpflichtigen sind der Besteuerung nur zugrunde zu legen, soweit nach den Umständen des Einzelfalls kein Anlass besteht, ihre sachliche Richtigkeit zu beanstanden (§ 158 AO). Die ordnungsgemäße Kassenführung und die sonstigen erforderlichen Aufzeichnungen  sind damit essenziell für eine ordnungsgemäße Buchführung. Durch die Änderung des § 146 Abs. 1 AO wurde geregelt, dass grundsätzlich jeder Geschäftsvorgang einzeln aufzuzeichnen ist. Der Anwendungserlass zu § 146 AO (AEAO) vom 19.06.2018 konkretisiert diese gesetzlichen Vorgaben für die Umsetzung in der Praxis. Danach erfordern „die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung“ grundsätzlich die Aufzeichnungen jedes einzelnen Geschäftsvorfalls unmittelbar nach seinem Abschluss und in einem Umfang, der einem sachverständigen Dritten in angemessener Zeit eine lückenlose Überprüfung seiner Grundlagen, seines Inhalts, seiner Entstehung und Abwicklung und seiner Bedeutung für den Betrieb ermöglicht.

Nicht nur die Vereinnahmung der Höhe des Geldes, sondern auch der Inhalt des Geschäfts und der Name des Vertragspartners sind für jeden einzelnen Geschäftsvorfall aufzuzeichnen. Allerdings muss nicht explizit nach dem Namen des Vertragspartners gefragt werden, da dies unzumutbar ist. Der Name ist nur aufzuzeichnen, wenn er sich z.B. aus einem Terminbuch etc. ergibt. Darüber hinaus „müssen die Aufzeichnungen so beschaffen sein, dass sie jederzeit eindeutig in ihre Einzelpositionen aufgegliedert werden könne.“

Diese Grundsätze gelten für alle, die eine selbständige Tätigkeit ausüben, unabhängig davon, wie der Gewinn ermittelt und ob  ein elektronisches Aufzeichnungssystem oder eine sog. offene Ladenkasse verwendet wird.

Angesprochen werden damit auch die selbständig ausgeübten Berufsgruppen der Kosmetikerinnen, Masseure, Nagelstudiobetreiber und anderer Berufe in der Wellness- und Spa-Branche.

Sie alle haben ab sofort mehr zu tun.

Die verschärften Einzelaufzeichnungspflichten sollte man sehr ernst nehmen. Deren Nichtbefolgung kann zu erheblichen Steuernachteilen führen.